Alessandria – Tradition und lokaler Geschmack
04
Jul

Alessandria – Tradition und lokaler Geschmack

Alessandria grenzt an die Lombardei, Ligurien und die Emilia-Romagna und zeichnet sich durch ein einzigartiges mediterranes Klima aus, das eher für den Süden des Landes typisch ist. Ihre Landschaft ist sehr vielfältig: im Süden an den Ligurischen Apennin und im Norden an Monferrato, ein Gebiet, das dank seiner Weinberge bekannt ist, grenzend, ist diese Provinz mit stark strömenden Flüssen, beeindruckenden Tälern und dichten Kastanien-, Eichen- und Buchenwäldern durchzogen.

Zwischen den Flüssen Tanaro und Bormida liegend befindet sich die gleichnamige Hauptstadt der Provinz. Sie wurde 1168 unter dem Namen Civitas Nova gegründet und später zu Ehren des Papsts Alexander III. in Alessandria umbenannt. Obgleich es schon Bewohner in der Gegend vor der Stadtgründung gab, entstand sie als Festung zum Schutz des Lombardenbunds vor den Angriffen des Kaisers des Heiligen Römischen Reichs, Friedrich I. Zwischen 1174 und 1175 wurde sie von den Truppen des Römisches Reichs stark belagert, und der Legende nach wurde sie dank eines sehr klugen Bauern namens Gagliaudo vor der unvermeidlichen Niederlage bewahrt. Gagliaudo ernährte seine Kuh mit dem letzten Getreidekorn, das es noch in der Stadt gab, und verließ die Festung, um sich dem gegnerischen Heer gegenüber zu stellen. Als die kaiserlichen Streitkräfte ihn gefangen nahmen, opferten sie seine Kuh und fanden das Getreide in ihrem Bauch. Der Bauer überzeugte sie davon, es gäbe so viel Getreide in der Stadt, aber keinen Platz mehr, um es aufzubewahren. Kaiser Friedrich I. dachte, die Belagerung könne sich allzu sehr herausziehen und beschloss somit, seine Truppen aus Alessandria abzuziehen. In der Kathedrale der Stadt gibt es eine Statue zu Ehren Gagliaudos. 1198 wurde Alessandria als freie Stadt anerkannt; allerdings begannen von diesem Zeitpunkt an Konflikte mit anderen Gemeinden der Region, die Jahrzehnte fortwährten, bis die Stadt 1348 unter die Herrschaft der Visconti geriet und von Mailand aus regiert wurde. Später wurde sie von den Sforza regiert und 1707 dem Hause Savoyen übergeben, wodurch es von jenem Zeitpunkt an zur Region Piemont gehörte. Im Jahre 1800 wurde sie von den Franzosen erobert, doch 1814 unter der Regierung des Königreichs Sardinien von den Savoyen zurückerobert.

Gleichwohl sie nur kurze Zeit zu Frankreich gehörte, nimmt man in Alessandria einen starken französischen Einfluss wahr. Diese strategisch gut gelegene Stadt war immer ein wichtiges Handels- und Transportzentrum. Römische und mittelalterliche Ruinen erinnern an eine prachtvolle Vergangenheit.

Aufgrund der langjährigen Weinbautradition sollte man die Provinz Alessandria zunächst durch die regionalen Weine kennen lernen: Zu einem der besten Rotweine gehört der Barbera, die üblichste Rebsorte im Piemont, das zwei DOCG- und fünf DOC-Weine besitzt; bei den Weißweinen sind der Cortese di Gavi (mit Herkunftsbezeichnung DOCG) sowie der Timorasso (mit DOC-Status) besonders hervorzuheben.

Die dortige Küche verkörpert die lokale Tradition, und ihre Käsesorten dienen als gutes Beispiel dafür. Hier wird unter Einhaltung einer jahrhundertelangen Tradition, die bis zu den keltisch-ligurischen Bauern zurückzuführen ist, der Robiola noch auf hausgemachte Art hergestellt. Dieser Käse (aus Kuh-, Ziegen- und Schafmilch) wird hauptsächlich in der Bergregion Suol d'Aleramo hergestellt. Ein weiterer sagenhafter Käse ist der Montebore, hergestellt mit Kuh- und Schafmilch. Mit über elf Jahrhunderten Tradition wäre dieser Käse fast ausgestorben, wenn er nicht auf der internationalen Käsemesse ausgestellt worden wäre, wo er unter den Experten aus der ganzen Welt Anerkennung erlangte. Die Tradition Alessandrias nährt sich auch durch die Einflüsse ihrer Umgebung. Je mehr wir uns dem Süden nähern, desto mehr Aromen finden wir, die uns an Ligurien erinnern. Hier stellen sie ihre eigene Variante der „Focaccia genovese“, nämlich die „Focaccia novese“, her. Andere Gerichte mit ligurischem Einfluss sind die „Farinata“, die „Pansotti“, die „Corzetti“ und die „Ravioli al Tocco“.

Einige der Wurstsorten der Provinz genießen internationales Ansehen. Hervorzuheben ist der „Filetto baciato di Ponzone“ (bedeutet „geküsstes Filet“): eine typische Salamisorte des Val Bormida, das durch Mischen von Schweinefleisch und dem Fett des Herzens des Filets hergestellt und anschließend in einer Pökellake rund zwei Monate reift. Eine weitere sehr bekannte Wurstsorte ist die „Testa in Cassetta“: mit den mageren Kopfteilen, der Zunge, dem Fett der Schweinebacken und einer Mischung verschiedener Salamis hergestellt.

Doch Alessandria kann nicht nur auf ihre Antipasti stolz sein. Hier finden wir Hauptgerichte, die großartige Geschichten begleiten, wie das traditionelle „Huhn Marengo“ in Ehrung des Ortes, an dem Napoleon eine seiner wichtigsten Schlachten gegen das österreichische Heer gewann. Es wird erzählt, dass der Koch Napoleons nach der Schlacht von Marengo keine Zutaten zum Kochen hatte, da die Österreicher die Lebensmittelversorgung für das französische Heer abfingen. Daher musste er die Zutaten bei den einheimischen Bauern einsammeln und erfand ein Gericht aus Huhn, Pilzen und Süßwassergarnelen. Das Ergebnis gefiel Napoleon so sehr, dass er seinen Koch bat, genau dieses Gericht nach jeder Schlacht zuzubereiten, wodurch das berühmte „Huhn Marengo“ geschaffen wurde. Ein weiteres Gericht mit langjähriger landwirtschaftlicher Tradition sind die „Rabaton“: Fleischbällchen mit Quarkkäse, Spinat und Ei. Sie können mit Brühe oder im Ofen zubereitet werden. Gerichte wie diese erinnern uns daran, dass die jahrhundertealten Rezepte Alessandrias noch heute bestehen, da dieses kulinarische Erbe von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Für die Süßigkeitenliebhaber unter Ihnen befriedigen die bekannten Süßwaren der Provinz sämtliche Erwartungen. Zu ihren Spezialitäten gehört die Auswahl an Keksen: die „Krumiri“, typisch in Monferrato, zweifellos das bekannteste Süßgebäck Alessandrias; die „Amaretti“, auch sehr beliebt, mit eigener Variante in jeder Stadt; und die „Biscotti della Salute“, die den genuesischen „Biscotti del Lagaccio” sehr ähneln. Sie müssen auch unbedingt den „Lacabòn“ kosten: ein handgefertigter stockförmiger Bonbon aus Honig, Zucker und Eiweiß.

Diese Provinz bietet zweifellos die besten Aromen der ländlichen gastronomischen Tradition und erinnert uns daran, dass wir für die besten Rezepte auch die besten Zutaten benötigen. Und in Alessandria gibt es sie in Fülle. Wir setzen unsere Reise fort, und wie es nicht anders sein kann, stets von ausgezeichneten Aromen begleitet.

44.9072727, 8.6116796

Alessandría

Alessandria (Lissandria auf Piemontesisch) ist eine Stadt der Region Piemont in Italien und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Sie befindet sich an den Ufern des Flusses Tanaro

Stadt: 90.532 hab.

Fläche: 203,97 kmª

In unserer Speisekarte

Datei