Aostatal und seine Alpenküche
04
Jul

Aostatal und seine Alpenküche

Wir erkunden nun die kleinste Region Italiens: das Aostatal. Von den Alpen umgeben grenzt sie an Frankreich, die Schweiz und das Piemont. In dieser Region befinden sich die größten Berge Europas: der Mont Blanc (4810 m), der Monte Rosa (4638 m), das Matterhorn (4478 m) und der Gran Paradiso (4061 m). Die Schönheit ihrer Landschaft macht sie zu einer der meistbesuchtesten Orte der Alpenregion. Das Aostatal ist von einer typisch alpinen Geografie geprägt, die sich bei steigender Höhe in den Änderungen der Täler herausbildet: In den flacheren Gebieten können wir jegliche Art von Anbau sehen und in höheren Gebieten Viehweiden. Hier wächst das Getreide auf vielen Metern Höhe, und auf den Hügeln sehen wir Weinberge, Kastanien und Obstbäume, wie etwa Apfel- und Birnenbäume.

Die ersten Bewohner des Aostatals waren die Salasser, ein sehr kriegerischer keltischer Stamm, der seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. ebendemselben Römischen Reich Widerstand leisten konnte, bis schließlich 25 v. Chr. das Heer Aulus Terentius Varro Murenas ihn besiegen konnte. Die Römer tauften die Region auf den Namen „Augusta Praetoria“ und gründeten die Hauptstadt der Region „Augusta“, die heute als Aosta bekannt ist. Nach der römischen Besetzung lebte das Aostatal eine Zeit lang als autonome Region, bis die Goten und später die Langobarden eintrafen. Im 5. Jahrhundert eroberte das germanische Volk der Burgunden die Region. 534 wurden die Burgunden schließlich gemeinsam mit dem Valle d'Aosta von den Franken erobert. Nach der Aufteilung der Ländereien zwischen den Erbfolgern Karls des Großen trat es 870 dem Königreich Lothringen bei. Ab dem 11. Jahrhundert ließen sich dort die Savoyen nieder, die im Bestreben, die Bräuche und Traditionen der Einheimischen zu respektieren, die „Charte des Franchises“ verfassten – eine Gesetzesbestimmung, durch die sie bestimmte Autonomie erhielten. Im 13. Jahrhundert fanden sich kleine Waldenser Gemeinschaften ein. Hierbei handelt es sich um eine protestantische Bewegung der Anhänger des aus Lyon stammenden Predigers Petrus Valdes. Die Region stand jahrhundertelang weiterhin unter der Herrschaft des Hauses Savoyen, mit Ausnahme eines kurzen Zeitraums zwischen 1539 und 1563, in dem sie von den Franzosen besetzt war. Im Jahre 1861 vereinte sich die Region Aostatal mit dem Italienischen Königreich als Teil des Königreichs Sardinien und wurde schließlich nach mehreren Aufständen zur Erhaltung der Unabhängigkeit 1948 zur autonomen Region proklamiert.

Ihre strategische Lage (Durchzugsgebiet für die Händlerrouten, die nach Frankreich und Nordeuropa verliefen) war im Laufe ihrer Geschichte Grund für Auseinandersetzungen. Doch die geografische Unzugänglichkeit dieser Region hat die kulturelle Isolierung gefördert und dazu beigetragen, dass die eigenen Bräuche und Traditionen beibehalten wurden. Neben dem dort gesprochenen Dialekt sind Französisch, Deutsch und Italienisch offizielle Sprachen. Die Sprachen spiegeln die kulturellen Einflüsse wider und geben etliche Hinweise darüber, welche Kost wir dort erwarten können. Die Landschaft mit fehlendem Tiefland verrät uns auch, dass die Gerichte wenig abwechslungsreich und ein bisschen monoton sein werden.

Aus gastronomischer Sicht entspricht die Küche des Aostatals kaum der Vorstellung von italienischem Essen, die außerhalb der Grenzen allgemein verbreitet ist. Wir finden generell eine einfache, rustikale, herzhafte Kost mit bäuerlicher Tradition und französischen und schweizerischen Einflüssen vor. Das eindeutigste Beispiel hierfür ist die Fonduta, die mit dem Spitzenkäse der Region, dem Fontina, zubereitet wird. Die Fonduta ist ein Gericht mit langjähriger Tradition, das die Menschen zusammenbringen soll, die sich um eine Schale setzen und getoastete Brotstückchen in den geschmolzenen Käse tunken. Laut der Geschichte war dieses Gericht unter den Hirten kälterer Regionen sehr beliebt. Diese nahmen die harten Stücke des Käses und wärmten sie auf, um sie dann zu essen. Dieses Gericht wird allgemein mit der Schweiz in Verbindung gebracht, doch wie wir sehen, gibt es davon auch eine italienische Variante.

Wenn es um Fleischgerichte geht, finden wir hier einige Wildgerichte. Doch die einheimische Fauna ist beschränkt und deshalb wurde bei den Gerichten und Produkten das Wild durch leichter auffindbares Fleisch ersetzt, wie beispielsweise bei der Motzetta. Die Motzetta ist luftgetrocknetes Fleisch, ehemals vom Steinbock, den wilden Alpenziegen, und heutzutage von der Gämse. Die Stadt Cogne ist für ihre Motzetta bekannt. Das Fleisch wird mit Salz, Lorbeer, Salbei, Knoblauch und Rosmarin zwei Wochen lang gepökelt und anschließend einen Monat lang an der Alpenluft getrocknet. Dann wird sie in Scheiben geschnitten und mit Roggenbrot gegessen – das herkömmlichste Brot im Norden und in Mitteleuropa, das ideal zur ausgezeichneten Butter dieser Region passt.

Die Wurst ist hier auch sehr beliebt, was wieder auf den deutschen Einfluss hinweist. Die typischsten Wurstgerichte sind hart, luftgetrocknet, eine Mischung aus magerem Schweinefleisch und Rind mit Fett, Salz, Pfeffer, Knoblauch, Lorbeer und anderen Gewürzen sowie gelegentlich Gewürznelken. Hier wird auch Blutwurst zubereitet, und die empfehlenswerteste ist die Boudin aus Morgex oder Gignod. Als Beilage zum Fleisch und zu anderen aostanischen Gerichten werden meistens Kartoffeln verwendet: Sie passen gut zu den herzhaften Berggerichten und wachsen problemlos nahezu auf jedem Boden.

Wir müssen leider viele Gerichte auslassen, aber im Großen und Ganzen können wir feststellen, dass die Küche dieser Region vollkommen von der Landschaft beeinflusst wird, eher als von den äußerlichen Einflüssen. Uns gefiel die direkte und einfache Herzhaftigkeit der Gerichte. Das Aostatal besitzt zweifellos eine wohltuende und ehrliche Küche, die noch viel mehr lokale Gerichte und Produkte umfasst, die eigentlich hervorgehoben werden sollten, wie z. B. der Honig, das Obst, der Wein und die Liköre … Daher setzen wir unsere Reise durch das Aostatal um eine Woche fort. Begleiten Sie uns auf unserer Fahrt durch diese Region? Fortsetzung folgt …

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Valle de Aosta

Das Aostatal (auf Italienisch: Valle d'Aosta; auf Französisch: Vallée d'Aoste; auf Arpitanisch: Val d'Outa; im aostanischen Dialekt: Val d'Outa; im Walser Dialekt: Ougschtaland) ist eine Region mit Sonderstatus im Nordwesten Italiens und befindet sich auf der westlichen Seite der Alpen und bildet das Tal der Dora Baltea. Sie grenzt im Westen an Frankreich (Départements Haute-Savoie, in der Region Rhône-Alpes), im Norden an die Schweiz (Gemeinden Entremont, Hérens und Visp im Kanton Wallis) und im Süden an das Piemont (Provinzen Turin, Biella und Vercelli). Die Hauptstadt befindet sich in Aosta. Das Aostatal ist Teil der Euroregion Alpi-Mediterraneo/ Alpes-Méditerranée.

Stadt: 127.836 hab.

Fläche: 3.263 kmª

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