Cuneo, Welthauptstadt der weißen Trüffel
04
Jul

Cuneo, Welthauptstadt der weißen Trüffel

Wir führen unsere Reise bis zur südlichsten Provinz des Piemonts fort: Cuneo. Sie grenzt im Westen an Frankreich und im Süden an Ligurien und befindet sich in einer privilegierten Lage, in der sechs Täler einmünden. Die Landschaft ist eindrucksvoll sowie durch die Seealpen geprägt, die die Provinz vom Nordwesten bis Südosten eingrenzen. Am nordöstlichen Rand der Provinz, die von Hochebenen geprägt ist, erahnt man das Hügelland der Langhe.

Der Name der Stadt leitet sich vom italienischen Ausdruck für „Keilspitze“, „Pizzo di Cuneo“, ab und bezieht sich auf die geografische Lage auf der Hochebene zwischen den Flüssen Stura und Gesso. Die ersten dauerhaften Siedlungen in diesem Gebiet gehen auf die Hälfte des 12. Jahrhunderts zurück, doch die Stadt wurde erst am 23. Juni. 1198 gegründet, an dem Tag, an dem die Konsuln und Rektoren von Pizzo del Conio sich mithilfe von Asti gegen den Markgrafen von Saluzzo auflehnten. Cuneo erlangte 1259 die Unabhängigkeit. Später wurde sie von den Angevinen erobert, die der Stadt wirtschaftlichen Wohlstand bescherten. Nach wenigen Jahren übernahmen die Saluzzo nach den Visconti die Herrschaft der Stadt, und schließlich im Jahr 1382 eroberten die Savoyen die Stadt. In diesem langen Zeitraum errang die Stadt Frieden und Wohlstand, doch die Friedenszeiten hielten nicht lange an. Die Stadt war im Laufe ihrer gesamten Geschichte aufgrund ihrer strategischen Lage sehr begehrt: Sie war Durchzugsgebiet für alle Wege, die Ligurien mit Frankreich verbanden. Sie ist als „Stadt der sieben Belagerungen“ bekannt, wobei sie jedoch mindestens neun erlitt. Zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert wurde Cuneo von italienischen, Schweizer, spanischen und österreichisch-russischen Truppen belagert.

Abgesehen von den kulinarischen Schätzen, die in Cuneo verborgen liegen, ist der Trüffel das Kronjuwel. Die weißen Trüffel des Piemonts sind einzigartig auf der Welt und eines der meistgeschätzten Produkte der internationalen Gastronomie. Im 18. Jahrhundert definierte Jean Anthelme Brillat-Savarin, französischer Richter und Verfasser der ersten gastronomischen Abhandlung „Die Physiologie des Geschmacks“, diese Zutat als „Diamant der Küche“. Die Hauptstadt der weißen Trüffel ist Alba. Es wird erzählt, dass die kleine Stadt ihren Namen diesen besonderen Trüffeln zu verdanken hat, da „alba“ „weiß“ bedeutet. Die Trüffel sehen eigentlich nicht besonders appetitlich aus, und ästhetisch gesehen erinnern sie eher an eine Knolle als an einen Pilz, doch es gibt Exemplare, die pro Kilo bis zu 15.000 € kosten können. Für weniger dicke Geldbeutel gibt es eine wesentlich günstigere Trüffelsorte, die Scorzone, deren Kilo rund 90 € kostet und die zum Aromatisieren von Soßen verwendet werden kann.

Es ist ganz und gar nicht einfach, diese exquisite Zutat in den Bergen von Cuneo zu finden. Dazu werden trainierte Hunde eingesetzt, die den Boden absuchen und die Trüffel einzeln am Fuße der Bäume suchen. Sie wachsen normalerweise zwischen den Eichenwurzeln, wobei sie auch in der Nähe von Weiden und Nussbäumen vorkommen. Es gibt viele Legenden über die Herkunft der weißen Trüffel. Manche glauben, sie würden in eisigen Nächten im Mondschein wachsen, wenn das Licht durch die kalte und feuchte Erde bis in die Wurzeln durchdringt. Andere glauben, sie würden in der Nähe der Wurzeln derjenigen Bäume wachsen, die von einem Blitz getroffen wurden. Es gibt sogar welche, die der Legende glauben, die Trüffel würden von Spermatropfen der Hirsche gebildet.

Der Herbst ist die Jahreszeit, in der die piemontesische Küche in ihrer vollen Pracht glänzt: Es ist die Zeit der Weinlese, Trüffel, Pilze und der Jagd. Die namhafte Trüffelmesse in Alba findet am ersten Sonntag im Oktober statt. Dort stellen die Teilnehmer ihre besten Exemplare in einer besonderen Prozession aus. Jeder, der sich es leisten kann, wird den Geschmack in seiner besten Form mit heißen Trüffellamellen auf hausgemachtem Brot, mit nativem Olivenöl extra bestrichen und ein wenig grobem Salz, genießen.

Aber in Cuneo gibt es noch mehr zu sehen, außer weißer Trüffel – viel mehr sogar! Dank der Weinbaugebiete dieser Region werden hier einige der besten italienischen Weine hergestellt. Der Barolo, der im Umkreis von Alba hergestellt wird, ist als „königlicher“ Wein bekannt, da er damals von den historischen Königshöfen des Piemonts hochgeschätzt wurde. Es ist überraschend, dass er keine größere internationale Bekanntheit genießt, obwohl er als einer der besten Weine Italiens angesehen wird. Mit der Rebe Nebbiolo hergestellt, ist er ein starker, trockener, robuster und körperreicher Wein mit Aromen und Spuren von Veilchen, Rosen, Trüffel, Tabak und Pfeffer. Ein weiterer klassischer Wein, den Sie in Cuneo kosten sollten, ist der Barbesco. Er ist deutlich körperarmer als der Barolo, er ist lieblich, hat Fruchtnoten, ist ein wenig bitter und hat ein ausgeprägtes Veilchenaroma. Es wird gesagt, er sei wegen seiner Eleganz und Lieblichkeit im Vergleich zu den restlichen bedeutend stärkeren Weinen der Region ein sehr femininer Wein. Sowohl der Barolo als auch der Barbesco sind ideal zu rotem Fleisch, Wild und starkem Käse.

Ferner ist auch die Vielfalt von Fleischsorten der Provinz bemerkenswert. Als bestes Beispiel hierfür dient der Bue Grasso (fette Ochse), eine einheimische Rasse, die mit einer Diät auf der Grundlage von Kleie, Buttermilch, Weizen, Bete, einer Creme aus Eigelb und Zucker überfüttert wird, um den Muskelaufbau der Ochsen zu steigern, die dann bis zu 1250 kg wiegen und kaum noch gehen können.

Es gibt keine italienische Provinz, in der kein eigener Käse hergestellt wird, und Cuneo ist keine Ausnahme. Für die sanften Gaumen ist der Sora-Ziegenkäse eine kluge Wahl: leicht, frisch und aromatisch. Für diejenigen, die intensivere Aromen bevorzugen, ist der Brus-Käse ein Muss – eine Mischung aus verschiedenen Käsesorten, die gewürzt werden, gären und denen zuletzt ein Schuss Grappa hinzugegeben wird, um die Intensität zu erhöhen und dieser starken Creme, die in kleinen Mengen gegessen werden sollte, einen einzigartigen Geschmack zu verleihen.

Dies sind nur einige der Beispiele, die die köstliche Gastronomie Cuneos zu bieten hat. Sie ist zweifellos eine Provinz, die einen Pflichtbesucht wert ist, wenn man den Norden Italiens bereist.

Und von Cuneo aus reisen wir weiter nach Vercelli. Begleiten Sie uns?

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Cúneo

Cuneo (piemontesisch Coni) ist die Hauptstadt der Provinz Cuneo, Piemont, Italien. Die Stadt zählt 55.464 Einwohner. Sie befindet sich am Fuße der Seealpen in der Nähe des Flusses Stura di Demonte. Sie wurde 1198 gegründet.

Stadt: 55.464 hab.

Fläche: 119 kmª

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