Mantua: Unbekannter von Wasser umgebener Schatz
04
Jul

Mantua: Unbekannter von Wasser umgebener Schatz

Das Leben eines Reisenden wird gewöhnlich in Kilometern gemessen. Unseres in Erfahrungen. In beiden Fällen ist die längste Reise, die wir je antreten könnten, diejenige zum Wissen: zum Ursprung unserer Gewohnheiten, Traditionen und unserer Kultur. Wenn wir daher die Herkunft der Zutaten, die wir täglich zu uns nehmen oder ausprobieren möchten, kennen, können wir die gesamte Welt in nur einer Minute umrunden. Sechzig Sekunden reichen in der Tat aus, um festzustellen, ob wir ein Gericht lieben oder verabscheuen werden. Unser Gaumen bestimmt unsere Emotionen. Wird uns Mantua einen guten Nachgeschmack hinterlassen? Probieren wir es doch einfach aus!

Südöstlich der Lombardei, fast an der Grenze der Region von Emilia-Romagna und Venetien gelegen, bietet sich Mantua als eine der schönsten Prachtstädte der italienischen Renaissance dar. Die Stadt erstreckt sich in der Tat wie eine Halbinsel, die auf der Oberfläche dreier künstlich angelegter Seen emporragt, die als oberer, unterer und mittlerer See definiert werden und zur Verteidigung sowie zum Schutz des Gebiets angelegt wurden.

Diese wunderschöne Besonderheit macht Mantua zu einem wahrhaft beeindruckenden Ort – als rage die Stadt aus den Gewässern empor und erwecke in uns dieselbe Begeisterung wie für eine andere italienische Schönheit: Venedig. Auch wenn Mantua weniger glamourös als Letztere ist und somit auch weniger bekannt, wird Sie ihre Schönheit nicht enttäuschen. Ganz im Gegenteil: Dieser Ort bezaubert seine Besucher auf ganz unterschiedliche Art und Weise, beginnend mit den Geschichten seiner Vergangenheit.

Wir hatten bereits bei anderen Gelegenheiten die Möglichkeit, die intime und besondere Bindung der Italiener zur Opern- und Sinfoniemusik festzustellen. Diese enge Bindung zeigt sich zum erneuten Mal dank des Zeugnisses des venezianischen Komponisten Antonio Vivaldi, der im Anmut und in den Reizen Mantuas die Inspiration für die Komposition seines bekannten Werks Die vier Jahreszeiten fand.

In der vermutlich im 5. Jahrhundert v. Chr. gegründeten Stadt Mantua sind noch heute die Spuren der etruskischen Zivilisation erhalten geblieben. Ihre Blütezeit erlebte die Stadt jedoch unter der Herrschaft der mächtigen Familie der Gonzaga, die sie zu einem der wichtigsten Zentren der italienischen Renaissance machten. Besonders ihre starke Leidenschaft für die bildende Kunst veranlasste die Gonzaga, in ihrem Auftrag die angesehensten Künstler dieser Zeit zu versammeln. So kam es, dass bedeutende Ikonen der italienischen Malerei, wie Andrea Mantegna und Giulio Romano, eine Zeit intensiver Beschäftigung in diesem renommierten Ort teilten.

Dank der Arbeit dieser meisterhaften Talente besitzt Mantua heute zahlreiche Gebäude raffinierter Schönheit. Darüber hinaus bietet sie wunderschöne Schauplätze, die uns fast in eine andere Epoche transportieren. Daher drängt sich leicht der Eindruck auf, Teil eines Gemäldes zu sein. Eine wunderschöne Malerei, in der der Besucher kein Betrachter mehr, sondern ein weiteres Element dieser so eindrucksvollen Landschaft ist.

Daher bietet sich als einer der ersten Orte zum Eintauchen der Dogenpalast oder auch Palazzo Ducale an. Dieses atemberaubende Gebäude befindet sich im Norden der Stadt und beherbergt 500 Säle, Galerien, Höfe und Gärten, die sich über 35.000 m2 erstrecken, was es praktisch in eine Palast-Stadt verwandelt, in der man die Gemälde des berühmten Malers Pisanello nicht missen darf.

Darüber hinaus bietet der Duomo, bzw. auch als Kathedrale San Pietro bekannt, ein beeindruckendes Ensemble verschiedener architektonischer Baustile: darunter der römische Glockenturm, die neoklassische Fassade und die korinthische Säulen im Inneren. Ebenfalls sehr bekannt ist die Basilika Sant’Andrea, in deren Innerem das Erbe Andrea Mantegnas und Correggios bewundert werden kann, das sie uns aus ihrer Zeit in Mantua hinterlassen haben.

Und nicht zu vergessen: der Palazzo Te, eine beeindruckende Villa und ein wahrhaftes Meisterwerk des Malers und Schriftstellers Giulio Romano, die er als Vergnügungs- und Empfangsort des Prinzen Federico II. Gonzaga entwarf. Daher ist es überflüssig zu erwähnen, dass Mantua zusammen mit Sabbioneta im Juli 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde.

Mantova

 

Die Wunder dieser Stadt beschränken sich logischerweise nicht nur auf architektonische und landschaftliche Schätze. Pancetta, Coppa, Lardo und Salame sind nur einige wenige der Schinkenaufschnitte der Region, die aufgrund ihrer Rezepte bekannt geworden sind.

Auf den Tischen der Häuser Mantuas triumphieren die Brot-Gnocchi namens Capunsei. Hierbei handelt es sich um exquisite Brotknödelchen, die in Schweineschmalz frittiert und mit Brühe serviert oder mit geschmolzener Butter und Tomatensoße angereichert werden. Man widersteht auch nicht der Versuchung, die Gabel in einen Teller mit Agnolini zu stechen. Diese mit Ei gefüllte und per Hand geduldig gedehnte Pasta wird mit Rindfleisch, Huhn, Paniermehl und einer großzügigen Portion Grana-Padano-Käse zubereitet, die zuletzt noch mit gemahlener Muskatnuss bestreut wird.

Ein weiteres sehr beliebtes Gericht sind die Tortelli di Zucca – eine wahrhaft gastronomische Sucht in spannender mantuanischen Variante, bei der der Kürbis im Ofen gekocht wird sowie eine Note Senf und Amaretti-Kerne (köstliche Mandelmakronen) hinzugegeben werden. Achtung, hohes Suchtpotenzial! Wir möchten an dieser Stelle gerne daran erinnern, dass wir in der Küche von La Tagliatella davon eine abgeänderte, aber originelle Variante in Herzform und mit Ricotta-Käse gefüllt zubereiten. Unsere heißen Cuore di Zucca, buonissimi!

Mit der Torta sbrisolona wird für die Dessert-Liebhaber unter Ihnen das Essen perfekt abgerundet. Sie stammt von einem typischen Rezept mit bäuerlichem Ursprung, das früher mit Mischungen aus Maismehl, Schweineschmalz und Haselnüssen zubereitet wurde. Einige dieser Zutaten wurden nun durch „raffiniertere“ Optionen ersetzt: Jetzt wird die Butter statt des kalorienhaltigeren Schweineschmalzes bevorzugt, und die kostengünstigeren Haselnüsse wurden durch Mandeln ersetzt.

Nachdem wir nun ans Ende unseres Besuchs in Mantua angelangt sind, verfügen wir jetzt über alle Elemente, um die anfänglich gestellte Frage beantworten zu können. Wir verlassen diese Stadt nicht nur mit einem ausgezeichneten Nachgeschmack, sondern auch mit der Sehnsucht, zurückkehren zu wollen und erneut in diese intensive gastro-kulturelle Erfahrung einzutauchen, dank der wir einen Tag lang wie wahrhaftige Persönlichkeiten der Renaissance leben konnten.

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Mantova

Mantua ist eine in der Lombardei gelegene italienische Stadt. Sie ist auf drei Seiten vom Fluss Mincio umgeben. Als landwirtschaftliches Zentrum und beliebter Ferienort besitzt sie Fabriken, in denen landwirtschaftliche Maschinen, Düngermittel, Möbel, Schuhe und Spielzeug hergestellt werden. Sie ist der Schauplatz der Rigoletto-Oper.

Stadt: 48.366 hab.

Fläche: 63,97 kmª

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