Piemont – Herkunft Italiens mit Einflüssen Frankreichs
04
Jul

Piemont – Herkunft Italiens mit Einflüssen Frankreichs

Das Piemont ist eine Region, die sich im Nordwesten Italiens zwischen den Bergen des Aostatals, den Alpen und dem Apennin erstreckt. Daher rührt auch ihr Name, der übersetzt „am Fuße der Berge“ bedeutet. Sie umfasst rund 1200 Städte und Dörfer, die in der Geschichte einen wichtigen Platz einnehmen, da diese Region Geburtsstätte des Italiens ist, wie wir es heute kennen.

Die heute als Piemont bekannte Region wurde von den Goten, Byzantinern, Karolingern und Sarazenen besiedelt, bis sie im 11. Jahrhundert unter die Herrschaft der Savoyen geriet. Seitdem war das Piemont in unterschiedlichen Zeiträumen Herrschaftsgebiet der Savoyen . Die Region wurde über lange Zeiträume in zahlreiche Herzogtümer und Marktgrafschaften geteilt, die sich ständig gegenseitig bekämpften.

Im 16. Jahrhundert begannen die Auseinandersetzungen mit den Franzosen, und schließlich im 17. Jahrhundert konnte Frankreich das Piemont einnehmen. Im Laufe des 18. Jahrhunderts währte zwischen den Savoyen und Frankreich der Machtkampf um die Region fort.

Nachdem es Opfer konstanter Belagerungen durch die Franzosen und Österreicher gewesen war, spielte das Piemont im 19. Jahrhundert eine zentrale Rolle bei der Einigung Italiens, indem es den ersten Unabhängigkeitskrieg zwischen 1849 und 1861 anführte und es schließlich schaffte, die Österreicher zu vertreiben. Dies war der Auslöser für die Gestaltung einer Nation, die die kulturelle und politische Landkarte Italiens definieren sollte.

Der piemontesische Politiker Camillo Benso Graf von Cavour war der bedeutendste Ideologe der Einigung Italiens und wurde der Regierungschef einer neuen Nation. Der König von Piemont Viktor Emmanuel II. wurde auch zum ersten König Italiens ernannt.

Von allen kulturellen Einflüssen im Piemont ist der französische zweifellos der heutzutage sichtbarste. Von Frankreich hat es seine Galanterie, seine Raffinesse und seinen Perfektionismus geerbt. Und ebendiese Attribute haben ihre Spuren in der Küche hinterlassen, wo sogar die einfachsten und traditionellsten Gerichte sowohl in ihren Rezepten als auch in ihrer Präsentation immer ausgefeilter wurden. Französisch war bis Mitte des 19. Jahrhunderts die offizielle Sprache des Königshofs, und der französische Einfluss hat seine Esskultur bis Anfang des 20. Jahrhunderts dominiert.

Dank ihrer geografischen Vielfalt bietet diese Region Italiens zahlreiche landwirtschaftliche Möglichkeiten: Mais, Gerste, Weizen, Roggen und Hafer werden auf dem Flachland angebaut; auf den Hügeln in der Provinz Novara finden wir Weinbaugebiete und sämtliche Arten von Obst und Gemüse, während in Vercelli 70 % der Reisproduktion Italiens erzeugt wird. In den Bergen strömen die Flüsse des Piemonts, welche reichhaltige Quellen von Forellen und Fröschen sind. Wenn es aber ein Spitzenprodukt in dieser Region gibt, dann ist es zweifellos der weiße Trüffel, eine exklusive gastronomische Seltenheit, die zwischen 2500 und 5000 € pro Kilo kosten kann.

Vom Piemont stammt auch eine der weltweit besten Schokoladen. Genau genommen – auch wenn viele das nicht wissen – wurden hier die ersten süßen Schokoladentafeln Europas hergestellt und die Schokolade mit Haselnüssen erfunden.

Wir dürfen selbstverständlich nicht vergessen, dass das Piemont die Region mit der längsten Weinbautradition Italiens ist und somit einige der namhaftesten Weine zu bieten hat. Zudem ist das Piemont dank seiner Bergweiden der beste Fleischerzeuger Italiens und einer der bedeutendsten Butter- und Käsehersteller.

In der piemontesischen Küche finden wir eine spannende Kombination aus rustikalen und herzhaften Gerichten sowie leichtere und raffiniertere Kost, die sich von den Einflüssen des französischen Adels ableitet. Jeder Winkel des Piemonts birgt seine eigenen Spezialitäten und Einflüsse – ein Ort, an dem Tradition und Moderne aufeinandertreffen.

Man kann die Bedeutung, die der Küche in dieser Region beigemessen wird aufgrund der zahlreichen Gastronomiefestivals, die jährlich hier stattfinden, erahnen. Für die Piemontesen ist das Essen eine Erfahrung für sich, die man in einem einzigen Abendessen erleben kann, wo die aufgetischte Menge und Vielfalt des Gerichts das Aufessen zu einer wahrhaften Herausforderung macht.

Wenn sich die piemontesische Küche jedoch nur in einer Sache von dem Rest unterscheidet, ist es die Tatsache, dass es hier kaum Pasta gibt, da sie bisher immer als Gericht der Armen galt, zu dem nur gegriffen wurde, wenn man die Bäuche füllen und dabei Zutaten und Geld sparen musste.

Die gastronomische Vielfalt des Piemonts wird uns auf dieser Reise viel Gesprächsstoff liefern. Seine kleinen Siedlungen und großen Städte offenbaren uns eine andere, viel unbekanntere Seite der italienischen Küche. Wenn wir seine Herkunft und Einflüsse verstehen möchten, müssen wir zweifellos bei seiner Hauptstadt, Turin, beginnen.

Bei unserem nächsten Besuch sehen wir uns die Produkte, Gerichte und Bräuche, die am besten die piemontesische Küche beschreiben, aus der Nähe an.

45.0522366, 7.5153885

Piamonte

Das Piemont (auf Italienisch: Piemonte; auf Piemontesisch, Okzitanisch und Arpitanisch: Piemont) ist eine Region im Nordwesten Italiens und Teil der Euroregion Alpi-Mediterraneo/ Alpes-Méditerranée. Ihre Hauptstadt ist Turin. Sie grenzt im Norden an die Schweiz (Kanton Wallis und Tessin), am Osten an die Lombardei und im Südosten an die Emilia-Romagna (mit gemeinsamer knapp 8 km langer Grenze), im Süden an Ligurien, im Westen an Frankreich (Region Rhône-Alpes und Provence-Alpes-Côte d’Azur) und im Nordwesten an das Aostatal.

Stadt: 4.450.359 hab.

Fläche: 25,402 kmª

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