Turin: Erste Hauptstadt Italiens
04
Jul

Turin: Erste Hauptstadt Italiens

In einer größtenteils ländlichen Region wie das Piemont überrascht es jeden Besucher, eine solch majestätische und zugleich industrialisierte Stadt wie Turin vorzufinden. In ihren Straßen spürt man die Kultur und die Geschichte einer großartigen Stadt, die jahrhundertelang Symbol des italienischen Fortschritts war. Ihre Kunstmuseen, Restaurants, Kirchen, Paläste, Parks und Gärten erinnern an den Reichtum und Wohlstand, die Turin seit geraumer Zeit genießt.

Die Hauptstadt des Piemonts wurde im Römischen Reich als Iulia Augusta Taurinorum gegründet. Dann wurde sie allgemein Taurinorum genannt und erhielt letztendlich den Namen, unter dem wir sie heute kennen. Nach jahrhundertelanger römischer Herrschaft wurde die Stadt von den Byzantinern, Langobarden und Franken erobert. Im Jahr 1559 wurde sie zur Hauptstadt des Königreichs der Dynastie Savoyen, 1713 Hauptstadt des Königreichs Sardinien und schließlich zwischen 1861 und 1865 Hauptstadt des Königreichs Italien. Im Jahr 1848 war Turin die Hauptstadt des einzigen italienischen Staats, die nicht unter ausländischer Herrschaft stand. Es war die Stadt, die noch im selben Jahr den ersten Unabhängigkeitskrieg anführte, der die Grundlage der Nation Italiens bilden würde. Aus diesem Grund sei in Turin Italien geboren. Der Turiner Camillo Benso Graf von Cavour, Anführer der italienischen Unabhängigkeitsbewegung, unterstützte den Fortschritt und die Industrialisierung der Stadt. Dank seines Einflusses entwickelte sich Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts Turin in eine der Städte der Weltmit den größten Zukunftsaussichten.

Einen Drink bestellen ist in Turin Synonym von Wermut. Hier begann um 1838 seine Vermarktung. Bereits vor mehreren Jahrhunderten aromatisierten die Turiner Weißwein mit Gewürzen und Kräutern, wie Beifuß, Schafgarbe, Zimt und Rhabarber, die die venezianischen Händler damals importierten. Heutzutage ist diese Tradition in der piemontesischen Hauptstadt aktueller denn je; doch sollte man den Wermut nicht einfach auf irgendeine Weise genießen: Der beste Moment hierfür ist der Aperitif vor dem Mittagessen, nach der Arbeit und zur Anregung des Appetits vor dem Abendessen. Die Turiner wählen normalerweise den klassischen Martini oder den traditionellen Cinzano und meiden Fässer von Eigenmarken, es sei denn, wir befinden uns in einer der traditionellen Bars der Stadt, die ihre eigenen hausgemachten Wermuts herstellen.

Wenn der Hunger langsam zu spüren ist und man sich zu Tisch setzt sowie als Begleitung eines jeden Gerichts finden wir die stets allgegenwärtigen Turiner Brotstäbchen namens Grissini. Laut der Überlieferungen wurden sie 1668 vom Turiner Bäcker Antonio Brunero für Viktor Amadeus II. Herzog von Savoyen erfunden, welcher aufgrund von Verdauungsproblemen keine Brotkrume essen durfte. Seither haben die Grissini immer mehr Fans auf der ganzen Welt, unter anderem Napoleon, der sie so gerne mochte, dass er sie aus Turin bringen ließ. Eine Zeit lang nannten die Franzosen Turin „Grissinopolis“ oder „die Säule von San Grissino“. Es gibt zwei Arten: die Grissini Stirati, sehr dünn und 50 bis 100 cm lang; und die Grissini Rubata, etwas dicker und kürzer sowie mit typischen Knetabdrücken. Darüber hinaus gibt es ein typisches Turiner Gericht namens Steak à la Grissinopolis mit zerstückelten Grissino Rubatà. Sie sind jedoch nicht nur im Piemont berühmt, sondern ihre Beliebtheit erstreckt sich auf ganz Italien, insbesondere bei denjenigen, die gerne auf ihre Figur achten. Turin ist vor allem für ihre berühmte Süßware bekannt – sie ist die Stadt, in der die meisten Kuchen in ganz Italien produziert werden. Der Star unter den Süßwaren ist die Schokolade. Es lohnt sich definitiv, die aufgrund ihrer Qualität international anerkannten Turiner Schokolade in allen ihren Varianten zu probieren. Fast alle alten Cafés – viele von ihnen wurden von ehemaligen Köchen des Hauses Savoyen eröffnet – bieten die heiße Schokolade der Stadt an, die man mit einer beliebigen Turiner Süßware begleiten kann. Eine weitere Spezialität der Stadt ist das traditionelle Heißgetränk Bicerin. Dieses Getränk hat seinen Ursprung im gleichnamigen Café aus dem 19. Jahrhundert und wurde von ebendemselben Graf von Cavour getauft, der dieses Getränk liebte. Es wird mit einer kleinen Dosis Espresso-Kaffee, heißer Schokolade, ein bisschen Milch sowie Sahne zubereitet und anschließend mit Kakao bestreut. Der jahrhundertlange Schokoladenkonsum in Turin hat zur Entstehung neuer Rezepte beigetragen, welche sich meistens aus den täglichen Bedürfnissen ergaben: Hier wurde die Schokolade mit Haselnüssen erfunden. Die berühmte Gianduia (deren Name von einer klassischen Turiner Persönlichkeit der Commedia dell’arte stammte) wurde während der französischen Besetzung 1807 von einem Bäcker geschaffen. Aufgrund des Embargos in Piemont durfte daraufhin kein Kakao mehr importiert werden, und man begann für die Schokoladenherstellung den fehlenden Kakao mit Haselnuss zu ersetzen. Dank der Rohstoffknappheit entstand diese bekannte Erfindung.

Die Turiner Küche zeichnet sich aber nicht nur durch ihre Süßwaren aus, und wir haben exquisite Beispiele, um dies auf gedecktem Tisch zu beweisen. Dank des Vorkommens von Rind in der italienischen Provinz und der Weiden ihrer Berge stellt Turin ein umfangreiches und vielfältiges Angebot von Kuhmilchkäse bereit, wobei insbesondere der Roccaverano, Castelmagno, Murazzano, Grasso d'Alpe und der Raschera hervorstechen. Anchovis werden in Turin seit dem Mittelalter gegessen. In dieser Zeit wurden sie an der ligurischen Küste gefischt und zusammen mit dem Salz von Händlern nach Nordeuropa transportiert. Da sie dabei piemontesisches Territorium durchquerten, gelangten die Anchovis hauptsächlich nach Turin, wo sie gesalzen wurden, um sie anschließend zu verkaufen. Ein weiteres Turiner Rezept, das auf eine reiche Geschichte zurückblickt, ist La Finanziera (es erhielt diesen Namen, da es über längere Zeit bei Börsenmaklern das beliebteste war) – ein mit verschiedenen Fleischsorten, Erbsen, Barbaresco-Wein und Zimt zubereiteter Eintopf. In Turin gibt es viele sogenannte „Spezialitäten der Stadt“, und in nur wenigen Restaurants fehlen die köstlichen gefüllten Artischocken auf Turiner Art. Diese werden mit Rind, Huhn, Schinken oder Trüffel zubereitet. Fast überall kann man auch die berühmte mit Reis gefüllte Paprika auf Turiner Art kosten.

Darüber hinaus kann man in der bürgerlichen Turiner Küche vermehrt den ländlichen Einfluss der Region vernehmen. Jeden Tag werden neue Restaurants eröffnet, in denen rustikale und traditionelle Gerichte angeboten werden, was zu einer kulinarischen Mischung aus den vornehmsten Rezepten mit anderen rustikaleren Rezepten führt. Die Turiner Gastronomie überrascht zweifellos aufgrund der stets stärker betonten Kontraste, wobei immer die Qualität und Vielfalt der Gerichte im Vordergrund stehen.

Es gibt noch viele Orte in der Region des Piemonts zu entdecken – weiter geht's mit unserer Reise …

45.070312, 7.6868565

Piamonte

Rezept, das auf eine reiche Geschichte zurückblickt, ist La Finanziera (es erhielt diesen Namen, da es über längere Zeit bei Börsenmaklern das beliebteste war) – ein mit verschiedenen Fleischsorten, Erbsen, Barbaresco-Wein und Zimt zubereiteter Eintopf. In Turin gibt es viele sogenannte „Spezialitäten der Stadt“, und in nur wenigen Restaurants fehlen die köstlichen gefüllten Artischocken auf Turiner Art. Diese werden mit Rind, Huhn, Schinken oder Trüffel zubereitet. Fast überall kann man auch die berühmte mit Reis gefüllte Paprika auf Turiner Art kosten.

Stadt: 2.200.000 hab.

Fläche: 130 kmª

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