Vercelli: Reis und Frösche
04
Jul

Vercelli: Reis und Frösche

Wenn wir uns der nordöstlichen Region des Piemonts zuwenden, erreichen wir die Provinz Vercelli, eine der ältesten Provinzen Italiens. In dieser Agrarlandschaft stechen die ausgedehnten Ebenen mit ländlichen Gemeinden zwischen der Po-Ebene und dem Valsesia hervor. Der Reisanbau ist praktisch auf dem gesamten Gebiet verbreitet. Vercelli gilt sogar als „europäische Reishauptstadt“. Das dort bestehende Kontinentalklima zeigt Maximaltemperaturen zwischen -10 °C im Winter und 40 °C im Sommer an, sodass das Wasser in den Reisfeldern verdunstet und in den heißesten Monaten eine hohe Luftfeuchtigkeit messbar ist.

Die ersten Besiedlungen der Provinz liegen im Jahr 2000 v. Chr. mit der Ankunft der ersten Ligurier . Bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. waren es die Kelten, die sich hier niederließen und die gleichnamige Hauptstadt der Provinz, ursprünglich unter dem Namen „Wercel“ (Beschützer der Kelten), gründeten. Später gehörte sie Gallien an, bis sie 89 v. Chr. unter die Herrschaft des Römischen Reichs fiel. Im 4. Jahrhundert wurde sie ein Bischofssitz. Daraufhin wurden die Ländereien der Provinz von den Langobarden, Franken, Ungarn, Savoyern, Spaniern und Franzosen erobert, bis die Savoyer Vercelli 1814 zurückerhielten. 1860 wurde sie schließlich Teil des vereinigten Italiens. Vercelli ist gegenwärtig eine der Städte, die das künstlerische und architektonische Erbe des Piemonts mit ihrer mittelalterlichen ummauerten sowie gut erhaltenen Altstadt repräsentiert. Eine Besonderheit ist, dass Vercelli die Stätte einer der ersten in altenglischer Sprache verfassten Handschriften ist – des „Vercelli Book“, dessen Entstehungszeit im 10. Jahrhundert datiert wird.

Vercelli war schon immer ein bedeutendes landwirtschaftliches und kommerzielles Zentrum und besitzt zudem eine leistungsstarke Textilindustrie. In dieser Stadt ist die Tradition zu spüren, und dies spiegelt sich auch in ihren köstlichen Gerichten wider, die sich heute vieler ehemaliger Rezepte bedienen. Im Mittelalter bereiteten ihre Bewohner herzhafte Gerichte zu, um sie den Pilgern, die ihre Ländereien durchquerten, zu servieren. Eines dieser Gerichte ist das Salame d'la Doja, eine Art Salami aus Schweinefleisch, mit Fett bedeckt und Salz, Pfeffer, Knoblauch und Rotwein gewürzt und anschließender Reifung in einem Gefäß namens „Doja“. Litten die Pilger an jeglicher Art gesundheitlicher Beschwerden, wurden ihnen natürliche Heilmittel mit Fröschen angeboten, die zu dieser Zeit für die Gesundheit als vorteilhaft erachtet wurden. Seither finden wir im kulinarischen Angebot Vercellis viele mit Fröschen zubereitete Gerichte: Suppenbrühen, Omeletts und den klassische Froschrisotto aus Vercelli. Das in der ersten Septemberwoche stattfindende Frosch-Festival eignet sich ideal, um mehr über die Verwendung von Fröschen in der lokalen Gastronomie herauszufinden.

Die Verwendung von Reis in der Küche Vercellis hat eine lange Geschichte: Der Gründer der Nation Italiens, Graf von Cavour, war derjenige, der 1866 mithilfe eines 80 km langen Bewässerungssystems das reichhaltige Alpenwasser nach Vercelli brachte. Dieses System ist als „Canale Cavour“ bekannt und funktioniert noch heute.

Ihm haben wir Rezepte wie den Reis auf piemontesische Art zu verdanken, welcher in einer Fleischbrühe mit Barolo-Wein und Pilzen gekocht und anschließend mit gereiftem Käse und Muskatnuss gewürzt wird. Wir dürfen auch nicht den Panissa vergessen – ein Risotto mit Bohnen und Salame d'la Doja sowie Schweineschmalz zubereitet und mit Zwiebeln, Wein, Salz und Pfeffer gewürzt. Passend zu diesem typischen Gericht Vercellis empfehlen wir einen Rotwein mit mittlerem Körper, wie der Barbera des Piemonts.

In Vercelli finden wir erneut fantastischen Käse, wie den Caprino di Rimella, einen kleinen besonders frischen Ziegenkäse; den Tumet, süß und aromatisch, mit fettarmer Kuhmilch hergestellt, oder den Motta aus Vercelli, der mit Fenchelsamen gewürzt wird. Hervorzuheben ist der Sargnon. Diese Spezialität der Hauptstadt ist ein Käse, der aus geschmolzenen Gorgonzola-Stücken und anderen fermentierten Käsesorten, gemischt mit Alkohol, besteht und schließlich einen Monat lang ruht, um sich in einen köstlichen sahnigen Käse mit intensivem Geschmack zu verwandeln.

Zu den bekanntesten Süßspeisen gehören die Bicciolani. Dies sind Kekse, die seit über zwei Jahrhunderten hergestellt und mit Zimt, Gewürznelken, Vanille, Ingwer und Koriander besonders stark gewürzt werden. Diese werden in fast allen Bäckereien verkauft. Doch der Star unter den Nachspeisen ist die Tartufata, eine Schokoladentorte aus weichem Kuchen und Sahne mit Schokoladenlamellen bedeckt.

Vercelli ist viel mehr als nur Reis: Sie verkörpert Tradition, mit einzigartigen und mutigen Aromen gewürzt. Sie ist auch wegen ihrer Weine, Ravioli-Spezialitäten usw. bekannt. Das gastronomische Angebot ist unerschöpflich, und es lohnt sich, es persönlich zu entdecken. Eine weitere Region, die Sie unbedingt besuchen sollten, ist das beeindruckende Piemont.

45.3202272, 8.4185735

Vercelli

Vercelli (auf Italienisch: Provincia di Vercelli) ist eine Provinz der Region Piemont in Italien. Ihre Hauptstadt ist Vercelli und sie umfasst 86 Gemeinden.

Stadt: 176.829 hab.

Fläche: 2.088 kmª

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